Mittwoch, 30. Juni 2010
Dreams of my reality
Freitag, 18. Juni 2010
Waka Waka
Dringend.
Gestern hätt ich mir beinah mit Enthaarungscreme die Zähne geputzt. Das ist schlecht und bedeutet, dass der Anteil weiblicher Personen in meinem Haushalt definitiv zu hoch ist.
Mein Nachbar mittelasiatischer Herkunft verdächtigt mich schon der Haremsbildung, dabei zwinkert er mir anerkennend zu.
Wenn der wüsste.
Ich darf mal kurz die derzeitige Konstellation skizzieren, ja?
Der Unbedarfte kann sich das in etwa so vorstellen: Demian steht vor der Tür, von innen dringen, kunterbunt gemischt, 3 Frauenstimmen an seine empfindlichen Gehörgänge, er schliesst auf, alles verstummt und ihn trifft ein Blick aus 6 Augen, der demjenigen nicht unähnlich ist, der die Sinne eines Mannes verdunkelt, wenn er versehentlich das Bahnhofsdamenklo betritt. Es werden neueste Ultraschallbilder begutachtet, doch auf die Frage, welches Resultat meine sexuellen Aktivitäten gebracht haben, wird mit Dackelblick geantwortet, das sei immer noch nicht erkennbar.
Ich glaub, die bescheisen mich. Ich mein, mir kannste auch das Foto eines eingeschweissten Schnitzels zeigen...was weiss denn ich, ob das da ein Dödelchen oder ein Kinderarm sein soll.
Da ist, man möge es mir nachsehen, doch ein wenig der Kragen geplatzt, zumal wieder nichts Essbares vorzufinden war.
Also rief ich bei der Telefonseelsorge an.
War natürlich 'ne Frau dran.
Die hat mich mit dem nächsten Pizza-Service verbunden.
Bin dann mit dem Pizza-Boten einen saufen und Fussball gucken gegangen.
Bei uns läuft ja abwechselnd "Ghost", "Dirty Dancing" und "Pretty Woman".
Freitag, 14. Mai 2010
Drei Engel für Demian
Wer jedoch wie ich stündlich mit dem Erscheinen von Reportern des Manager-Magazins rechnen muss, der gibt schon auf sein Äussseres acht und lässt die Konkurrenz alt und billig aussehen. Nebenher gesagt kann mir eh keiner von den Lappen das Wasser, geschweige denn den J.D. reichen, denn die haben alle sowas studiert und damit disqualifizieren sie sich selbst. Intuition heisst das Zauberwort und so tue ich das, was mir grad in den Sinn kommt - und habe Erfolg damit.
5 Hotels nennen wir mittlerweile unser Eigen und wenn einer glaubt, er könne das besser als ich, kriegt er 7 Tage, um ein sinniges Konzept zu erstellen - dann fliegt er.
So oder so.
Das wiederum bedeutet Arbeit für mich, viel, viel Arbeit.
Fast soviel wie daheim, wo sich mittlerweile drei Frauen tummeln.
Sie verstehen sich blendend, Trulla versteht kein Englisch, Luisa kein Deutsch, die Andere kein Spanisch und ich die Welt nicht mehr.
Erschwerend kommt hinzu, dass ich heile Familie vorspielen muss, hat mir der Crash-Kurs Psychologie, den ich zwischen zwei Zigaretten im Internet absolviert habe, doch verraten, dass sie ein Opfer fehlender familiärer Strukturen ist.
Heisst, ich muss Trulla hin und wieder küssen, einfach so in statt auf den Arm nehmen und lauter so semiromantische Sachen.
Ich brauche Urlaub, Kinners...und wisst ihr was? Ab Sonntag hab ich den auch.
2 Wochen.
Ibiza, ich komme.
Dienstag, 23. Februar 2010
Kap der Angst
Nun, hier ist das gute Stück:
Dänemark, das Land, wo die Mädchen willig und die Bierpreise hoch sind; kausale Zusammenhänge sollen hier und jetzt weder hergestellt, noch erörtert werden.
Wir sehen einen Mast. 18 Meter ragt er in die Höhe. An seinem oberen Ende schaukelt er etwa 2 Meter mit der jeweiligen Windrichtung, wobei "Wind" in dem Fall nicht mehr ganz zutreffend scheint. Meteorologen und gemeiner Pöbel sprechen gemeinhin von Sturm oder sogar Orkan, was bei Geschwindigkeiten von ca. 140 km/h durchaus zutreffend ist.
Mit dem Mast schaukelt, weil er nämlich dran hängt, am Maste, Demian. Was so nicht geplant war, sollte doch eigentlich ein Zelt darum und daran errichtet sein. War's auch, bis ein paar völlig verpeilte Catering-Hiwis die Eingangstür aufliessen, was der Herr Orkan als Einladung empfand, kurzerhand ins Zelt hereinwehte und von unten heraus alles zerfetzte, was dereinst die Kuppel bildete, 32mm starke Stahltrossen einbezogen. Tonnenschwere Planen, Takelagen, Vertäuungen und sogar Heringe wirbeln durch die Luft. Wer sich jetzt denkt: Toll, da fang ich doch einen und brat mir den...nein, wir reden von Zeltheringen, die jedoch, im Unterschied zu dem, was so gemeinhin der Camper zum Verankern seiner Behausung verwendet, einmeterfünfundzwanzig lang und bis zum Kopf im Erdreich versenkt sind und einen Durchmesser von 8 Zentimetern haben, ein jeder davon gut und gerne 12 kg schwer.
Und oben auf seinem Maste, übrigens von der lokalen Polizei und Feuerwehr so angeordnet, klammert sich Demian fest und versucht mit der freien Hand, einen mehrere hundert Kilo schweren Befestigungsring, der an einer letztlich verbliebenen Stahltrosse hängt, kontrolliert abzulassen, damit man den dämlichen Mast zerlegen und abbauen kann, um die umliegenden Häuser vor weiteren geschossartigen Stahlteilen zu schützen.
Alles schön und gut, mag man denken, doch wer schützt Demian, dem die Teile, Trossen, Schäkel und sonstwas nur so um die Ohren peitschen?
So dauert's auch nicht lange, bis ihn die Fetzen einer Plane erwischen.
Es soll an dieser Stelle vielleicht hinzugefügt werden, dass eine solche Plane bzw. ein Teilstück derselben ein Gewicht von 170 kg der Quadratmeter sein eigen nennt.
So muss man sich fühlen, wenn man von Mike Tyson ein paar auf die 12 gekriegt hat oder mit dem örtlichen Schulbus kollidiert ist.
Demian wird's arg schwummrig und noch so 'nen Hieb kann er bestimmt nicht verkraften, sieht er doch schon vor lauter Sternchen nicht mehr, was er wo und wie entfernen, aufschrauben oder wieder verbinden soll.
Irgendwie schafft er es jedoch, die letzte verbliebene Trosse zu kappen und den Stahlring an einem notdürftig installiertem Flaschenzug herabzulassen. Jetzt nur noch die 9 Zweimeterstücke Mast abbauen. So nähert er sich langsam, aber beständig dem einigermassen sicheren Erdboden. Um ihn herum tobt das Chaos, doch Demian ist mittlerweile völlig ruhig. Gekonnt routiniert bewältigt er den Job. Er ist über den Punkt hinaus. Als er da oben hing, dachte er kurzfristig, es sei aus mit ihm. Resignation und die Angst, von einem herumwirbelnden Teil so getroffen zu werden, dass er abstürzt oder sich sämtliche Knochen da oben bricht -was wahrscheinlich aufs Selbe raus gekommen wäre- haben von ihm gelassen.
Unten wird er von Sanitätern in Empfang genommen, die ihn ins nächstgelegene Krankenhaus bringen, wo ihm 4 gebrochene Rippen, ein Ellenbruch und unzählige Hämatome in sämtlichen Formen, einige davon Aldi-Tüten-gross attestiert und ärztlich versorgt werden.
Danach muss er erstmal seine Unterwäsche wechseln.
Dienstag, 6. Oktober 2009
RED NOSE DAY
Luisa hatte ja in einem Anfall von Gutmütigkeit welche besorgt, die Einnahme musste ich ob der aufgelisteten Nebenwirkungen aber leider strikt ablehnen. "Impotenz" war auf dem Beipackzettelchen zu lesen, da hab ich doch lieber gepasst. Lieber dicke Mandeln als dicke Eier, mit denen ich dann nichts mehr anfangen kann. Blieb, man ahnt es schon, wieder nur die beste, allumfassendste, wohlschmeckendste Medizin von allen: Jack Daniels, deren Zusichnahme im Vergleich zur doch eher komprimierten Tablette dummerweise einen nicht unerheblichen Nachteil hat: Die Wirkung setzt langsam, obschon dann ziemlich heftig ein und als ich anfing, bei meinen Gängen zum Tresen mich und andere geringfügig zu verletzen, reifte der Entschluss, die Kneipe entweder sich selbst zu überlassen oder aber, die drittbeste Möglichkeit von den hier aufgelisteten, einfach zu schliessen. Und so geschah es denn auch.
Daheim angelangt, im sicheren Schoss der Couch gebettet, verlor ich sodann sowohl Überblick, als auch Hemmungen und leerte, in Ermangelung besseren Stoffs, Luisa's Rotweinvorräte zur Gänze. Studentinnen, denen es gut geht, müssen nicht saufen, schon seit altersher mein Credo.
Alsbald ereilte mich ein gar merkwürdiger Traum: Ich träumte, Michael Jordan schlenderte fröhlich grinsend durch mein Anwesen, den Ball mit aller ihm zur Verfügung stehenden Wucht ständig aufditschend . Der Hör- die Sehprobe folgen lassend, erblickte ich allerdings nur Luisa, die ihren nichtsnutzigen Hintern ausgerechnet an einem solchen Tag - man erinnere sich, ich bin schwer krank, immer noch - schon um 11 Uhr MESZ aus dem Bett hievt und durch die Bude bugsiert.
Ihr seht, der Tag fing scheisse an und wurde auch in seinem Verlauf nicht besser. Jetzt stehen mir noch gute 2 Stunden bevor und der Nächste, der mir einen Whiskey ausgeben will, ist ein toter Mann. So tot wie ich. Fast.
Samstag, 3. Oktober 2009
Einen Kranz, bitte!
Hm, du bist...Sohn...3...nicht wahr?
Ja.
Haste noch.
Kann man sich die irgendwie selbst rausnehmen?
Waaaaaaaas?
Äh, vergiss es, ruf dich Weihnachten wieder an.
Dienstag, 8. September 2009
Demian MacLeod
Meine letzte Schlacht führte ich vorgestern. Ich trage ein Geheimnis in mir.
Ich bin unsterblich.
Um diesen Staus zu erhalten, vermeide ich jeglichen Kontakt zu Wesen, die über ein medizinisches Diplom verfügen. Leider bin ich nicht unverwundbar oder gar gegen Krankheiten gefeit, so kam es, dass vorgestern das rechte Ohr den Dienst versagte, indem es vorgab, verstopft zu sein. Bei der anschliessenden Autooperation und Spülung des Gehörgangs mittels eine umfunktionierten Büroklammer und Einsatz einer Wasserpistole kamen zu Tage:
- 2 kleine Tintenfische
- 1 Gummistiefel Grösse 38, Farbe grün (jetzt)
- 6 Muscheln
- 0,665 Tonnen feiner Sand
- 1 Damen-Slip
- 1 antike Geldmünze
- 2 weisse Kaninchen
Hab ich schon erwähnt, dass ich unsterblich bin?
Es kann nur einen geben!
Dienstag, 11. August 2009
Einarmiger Bandit (9)
Demian öffnet eine Haustür mit der blossen Hand, die Hand nimmt das übel und lässt sich vom in der Tür befindlichen Glas aufschlitzen. Darauf folgend ergeben sich einige Komplikationen, in deren Verlauf Demian Arbeitsplatz, Freundin, beinah seinen Führerschein, jedoch nie die Hoffnung verliert. Dummerweise wächst das, was zusammengehört, nicht richtig zusammen und es droht eine Verkrüppelung der Hand und Demians Seele. Wie ersteres verhindert werden konnte und warum zweiteres scheiterte, könnt ihr hier lesen. Um fortan die Blutgerünste einiger Leserinnen zu stillen, werde ich einfach an mir adäquat erscheinenden Stellen der Fantasie freien Lauf lassen. Freut euch, es wird blutig.
Aber heute nicht mehr.
Heute muss ich euch erstmal erzählen, wie rücksichtslos man in meinem näheren sozialen Umfeld, explizit sei hier der Name "Trulla" genannt, mit mir umzugehen pflegt.
Wir sitzen gestern gemütlich am Strand, ich in Notizen vertieft, die mir eine weitere Woche meines viel zu teuren Lebensunterhalts sichern sollen, da will Trulla eine Rötung meines Rückens bemerkt haben und stürzt sich mit lüsternem Blick auf die Sonnenölflasche, um, unter dem Vorwand, mir etwas Gutes tun zu wollen, sich sodann auf die Umverteilung von Flasche auf Rücken zu machen. Meine Beteuerung, eine Rötung sei bei meinem Bräunungsgrad quasi unmöglich, ficht sie nicht an und nach zehnminütigem Quengeln geb ich nach und lasse sie gewähren. Ich lasse die Schweinereien, die sie mir dabei ins Ohr flüstert, klaglos über mich ergehen, erhebe jedoch Einspruch, als sie zum Aufbruch drängt. Sie müsse noch etwas erledigen...ja ne, is klar.
"Ich werde", lasse ich sie wissen, "mir 'ne nette kleine Meerjungfrau angeln, wenn du nicht aufhörst zu nöhlen."
Ihr Konter :"Ach ja, und wie glaubst du, bitteschön, soll die die Beine für dich breit machen?"
Demian:0, Trulla:1
Samstag, 1. August 2009
Der Fliesenleger
Endlich war es also da und Demian, stolz wie Oskar (oder Krümelmonster), schwang sich in den Sattel, um die Umgebung zu erkunden, will heissen: Hügel, Hügel und nochmal Hügel, mitunter auch sich abwechselnd mit leichteren Hügeln, wo ihm allerdings der in jenen Breiten ständig blasende Wind körperliche Höchstleistungen abverlangte - also verlegte er sich aufs gemächliche Cruisen innerhalb des Resorts.
Und so begab es sich, dass er am folgenden Tage auf dem vollständig gefliesten Gelände umherradelte, freundlich den Gästen und Kollegen zuwinkend, jedoch leider dabei nicht so recht konzentriert zu Werke ging und so wurde ihm erst im allerletzten Augenblick bewusst, sich vor einer hohen Stufe zu befinden. Der versierte Pedalist pflegt in derartigen Situationen ja dezent den Bremshebel zu betätigen, nicht so Demian, der zog mit Brachialgewalt, dummerweise an beiden und die jungfräuliche Vorderradbremse fühlte sich geehrt und packte voll zu, wodurch es, wir kennen's ja alle aus Kindertagen, zum abrupten Stillstand des Vorderrads kam, der Drahtesel bockte und Demian vornüber abwarf, wo Steinfliesen auf seine Ankunft warteten.
90 Kilo Mensch meet Terracotta. And the winner was: Terracotta.
Die folgende Woche lief Demian, der sich natürlich geschickt abzurollen versuchte, mit einem Veilchen rum, schlug doch am Ende der Rolle sein Gesicht kurz auf und auch der rechte, weil eh schon lädierte Arm erfreute sich fortan einer etwa 5tägigen Ruhepause, die er in einer formschönen Binde verbrachte, die ihm der Notarzt kopfschüttelnd angelegt hatte.
Alles kein Problem, ist und war Demian es doch gewöhnt, die ihm übertragenen Aufgaben mit links zu erledigen und weil ihm seine Chefin, die besorgte, schon nach 2 Wochen erlaubte, die Stützräder wieder abzubauen, fand diese kleine Episode ein Happy-End.
Was wäre Demian bloss ohne seine treusorgenden Mitmenschen?
Mittwoch, 22. Juli 2009
Einarmiger Bandit (8)
So ging ich zurück in die Wohnung. Dort fand ich ein verheultes Wesen vor, dem ich jetzt auch noch verklickern musste, dass sie soeben -natürlich nur fürs Protokoll und die Versicherung- meinen wunderschönen Golf GTI, schwarz gefärbt und alubefelgt, zu Mus gefahren hätte.
"Unter einer Bedingung."
"Ja?"
"Wir müssen reden."
Oha, das hiess nichts Gutes, Frauen, die reden wollen und dies nicht mit ihrer besten Freundin tun wollen, waren mir schon immer suspekt, aber was blieb mir anderes übrig, wenn ich nicht Freundin, Führerschein und Versicherungsschutz verlieren wollte.
In der folgenden Stunde bekam ich den Einlauf meines Lebens, ich glaube mich nicht erinnern zu können, jemals irgend jemandem erlaubt zu haben, so mit mir zu sprechen, Lehrer und Eltern in der Frühzeit eingeschlossen.
Zum Schluss wurde sie erfreulicherweise etwas moderater und fasste meine Situation in etwa so zusammen:
"Du trinkst zuviel, bist fast jede Nacht unterwegs, siehst aus wie'n Hippie, frühstückst nachmittags um drei - um dein Verhalten und Aussehen zu rechtfertigen, fehlt dir eigentlich nur eins: ein Studienplatz!"
Geiler Plan...
Freitag, 17. Juli 2009
Einarmiger Bandit (7)
Fortan hielt jeder Tag Überraschungen für mich bereit: war's an einem Montag, da mir mein Arbeitgeber mitteilte, aufgrund der unabsehbaren Dauer des Heilungsprozesses, in Zukunft von meiner Mitarbeit Abstand zu nehmen, so wachte ich dienstags auf, um festzustellen, dass meine Hand mittlerweile fast vollständig skelettiert war, mittwochs wurd's abgelöst von einem netten Schreiben der Berufsgenossenschaft, die darauf bestand, von mir comic-strip-ähnliche Zeichnungen zum Unfallhergang zu fordern. Mit links? Wie gut, auf derartige Disharmonien schon vorbereitet gewesen zu sein, hatte doch ein Zimmerkollege im Krankenhaus bereits erzählt, wie sich die Korinthenkacker vor Zahlung an Wegeunfallopfer zu sträuben versuchten.
Es gibt gewisse Eindeutigkeiten im Leben, dazu gehört meiner unbescheidenene Ansicht nach, dass ein Firmenfahrzeug, mit 6 Dachdeckern und Material beladen, welches sich morgens um 5.30 h auf dem Weg zur Baustelle befindet, den Weg zur Arbeit absolviert und somit bei einem eventuell eintretenden Unfall, wie in diesem Fall geschehen, die Berufsgenossenschaft in die Zahlpflicht genommen werden kann. Dort scheint man jedoch anders zu denken und halbtote Menschen müssen erklären, zeichnen oder sonstwie visualisieren, wieso sie sich zum angegebenen Zeitpunkt in der Konstellation in dem Fahrzeug auf dem Weg bzw. der Strasse befunden haben. Hätt nur gefehlt, dass so'n Sesselfurzer den Antrag auf Kostenübernahme mit der Begründung abgelehnt hätte, der Baum wäre ja abseits der Fahrbahn gestanden und somit sei vom direkten Arbeitsweg abgewichen worden.
Mein Fall war zwar nicht ganz so eindeutig, jedoch konnten 3 Zeugen benannt werden, die mir ein arbeitstechnich glaubhaftes Alibi verschafften und so dauerte es nur 3 Monate, bis die BG sich endlich zur Zahlung von Krankengeld bereit erklärte.
Die Kündigung war rechtens, denn in der Probezeit verunfallt man gefälligst nicht, und die Hand wurd immer schlechter, was in diesem Fall heisst: dünner, irgendwie knochiger, zurück zu führen auf mangelnde Versorgung der Muskeln durch genähten Nerv und ebensolche Blutbahn.
Schaute man genauer hin, was übrigens Kindern in der S-Bahn nach Überwindung des ersten Schreckens viel Spass zu machen schien, konnte man bemerken, wie alles an Sehnen, Muskeln, Nerv und was da sonst noch so zusammen geschweisst worden war, einen recht unansehlichen Klumpen bildete, der neben der Unansehlichkeit noch so einige Unannehmlichkeiten mit sich brachte. Erwähnt seien hier nur ständige, bei Bewegung unanständig heftige Schmerzen und Verkrümmung der Kralle zu einer ebensolchen. War ich anfänglich recht frohgemut, so wurde mir nun doch ein bisschen anders, zumal Krankenkasse, Arbeitgeber und Berufsgenossenschaft dem jeweils anderen die Zahlungspflicht zuschob und mir vorerst die Mittel fehlten, um mir einen ordentlichen Arzt suchen zu können, der in der Lage sein sollte, zu retten, was handchirurgisch zu retten war.
Eine Situation, die dem damals noch recht unerfahrenen und relativ unbeherrschten Demian diverse Beleidigungsklagen einbrachte...doch davon wurde die Hand auch nicht besser...
Sonntag, 12. Juli 2009
Einarmiger Bandit (6)
Wenigstens konnte ich zwei Tafeln Schokolade abgreifen, die sie im Nachttisch zu Dutzenden hortete; so musste ich nicht hungrig ins Bett.
Hunger und Befriedigung desselben wurden fortan zum echten Problem, sah doch mein damaliges Einkommen kein ausreichendes Budget für ständige Restaurantbesuche vor und die Dame mit dem schlechten Gedächtnis war Stewardess und somit gewöhnt, Mahlzeiten zu reichen, die fertig zubereitet ihren Empfänger erreichten.
In ihrer unermesslichen Güte liess sie sich dennoch eines Tages dazu herab, mir ein Steak in die Pfanne zu haun, eine sehr nette Geste der Zuneigung, wie ich fand, wenngleich sie auf meine Bitte, mir selbiges doch bitte mundgerecht zurechtzuschneiden, eher ablehnend reagierte. Zur Begründung führte sie an, keine Krankenschwester oder Altenpflegerin zu sein. Nicht dass mich das besonders getroffen hätte - ich schnappte mir den Quelle-Katalog, orderte telefonisch eine Mikrowelle, vergewisserte mich des 24 Stunden-Express-Lieferservices und gab ihr 23 Stunden -kurzer Blick auf die Uhr- 57 Minuten und 16 Sekunden, um ihren Krempel zu packen und mitsamt selbigem zu verschwinden. Da ging sie hin, mitsamt jährlich 2 Freiflügen bei Kranich-Airlines; das war das Schlimmste!
Ersatz musste her, vorzugsweise ein weibliches Wesen mit Helfer-Syndrom. Und so sah man mich immer öfter in der grossen Stadt mit der grossen Uni-Klinik um selbige herum die Kneipen und Kaffeehäuser frequentieren, listig lauernd mit Leidensmiene vorm Eingang herumlungernd.
Und dann traf ich sie: Nicole! Eine Seele von Mensch, gleichermassen an Herd und Staubsauger versiert, wohlgeformt und Ärztin im Praktikum. Das ganz grosse Los. Sie war ein paar Jahre älter, aber das störte mich nicht, für 26 war sie noch recht knackig. Übrigens hab ich diese Sitte beibehalten; bis heute bevorzuge ich Frauen, die ein bisschen älter sind (als ich damals war).
Blöd nur, dass ich 170 Ocken für die Mikro rausgeschmissen hatte, denn so langsam wurd's finanziell eng, da mir mein Arbeitgeber zunächst zwar den Lohn fortzahlen musste, mir jedoch die recht üppigen Einnahmen, die ich regelmässig im Rahmen der Nachbarschaftshilfe durch Teppichverlegen, Malen, Tapezieren und ähnlich intellektuell anspruchsvolle Nebentätigkeiten erzielte, fehlten.
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Wanna know,what will happen in part 7? Stay tuned!
Freitag, 10. Juli 2009
Einarmiger Bandit (5)
Daheim, die Zubereitung einer leckeren Dose Ravioli im Hinterkopf rotierend, verwüstete ich Küche, Flur und Bad, versaute Kleidung, Duschvorhang und diverse Handtücher, bis eingesehen werden musste, dass es so nicht ging - man kann einhändig keinen handelsüblichen Dosenöffner bedienen. Leider wusste auch meine Mutter nicht, was einhändig auf die Schnelle von einem nicht des Kochens Mächtigen zubereitet werden kann. Nachts um drei. Besoffen. Ich, nicht die Mutter.
Wenn die Erinnerung nicht leichte Lücken aufwiese, könnte ich schwören, sie hätte mir geraten, sämtliche Aktivitäten einzustellen, wobei sie vorrangig an Telefonate dachte, und den Weg ins Bett anzutreten, was ich, braver Junge, der ich ja immer war/bin, auch befolgte, jedoch musste ich dort angekommen die Abwesenheit der Nichtabholerin feststellen. Wär nicht weiter schlimm gewesen, aber ich brauchte jemanden, der mir beim Ausziehen half.
Und so klingelte ich bei der Nachbarin...
Freitag, 3. Juli 2009
Einarmiger Bandit (4)
4 Mann-Zimmer, alles Raucher, Trinker, Kartenzocker und keiner abgeneigt, erstmal einen vernünftigen Catering-Service zu organisieren. Fortan wurden Angehörige, Freunde, Feinde und Zivildienstleistende unter Androhung körperlich schmerzhafter Massnahmen zur Nahrungs- und Genussmittelbeschaffung animiert, was nach leichten Anlaufschwieigkeiten ("Holsden und nich Asdra, habbich gesacht, du Urinkellner") vorzüglich klappte.
Doch ich greife vor.
Erstmal erschien ein Arzt, der meinte, mir unbedingt die Laune versauen zu müssen, indem er ein Gespräch anfing über die Folgen, die so eine Verletzung mit sich brächte und wie ich immer stiller und in mich gekehrter wurde, fragte er leise:"Alles gut, Herr S. ?" und ich entgegnete:
"Sie meinen, das heisst nie wieder Tennis, Squash, Billard,Boxen? Nie wieder stricken?"
"Stricken? Sie stricken?"
"Vergiss es, war'n Scherz."
Das soeben Gehörte bereitete mir nun doch etwas Schmerzen, sah die ärztliche Prognose doch eher ungünstig aus, was Wiederherstellung und Einsatzfähigkeit der Hand angingen und zu der psychichen Pein gesellte sich nun auch ein wahrlich handfester Schmerz, bisher unterdrückt vom Drogencocktail, dem legal Verabreichten. So'n Nerv ist ja doch schon sehr empfindlich und näht man ihn zusammen, nimmt er das erstmal übel, leider nicht dem Nähenden. So machte ich die Bekanntschaft von Willi, seines Zeichens Gipser und ständig bemüht, den Herausforderungen seines Jobs ein Schnippchen zu schlagen, was ihm in meinem Fall nur sehr bedingt gelang; Willi und ich wurden gute Freunde, besuchte ich ihn doch mindestens viermal täglich, wobei es ihm leider nicht gelingen mochte, den Unterarm einigermassen schmerzfrei zu schienen. Ich nahm's ihm nicht krumm, hatte er doch neben einigen medizinischen Destillaten auch immer Bier vorrätig.
So verging Tag um Tag, das Pflegepersonal fing an, mich gerechtfertigterweise zu hassen und ich
mich schwerst zu langweilen. Aus dieser Tristesse heraus muss der Gedanke aufgekommen sein, mir angelegentlich die Kniee arthroskopieren zu lassen. Das war sehr lustig, weil örtliche Betäubung bei gleichzeitigem Verfolgen des Geschehens auf Monitoren, Spielraum für Kommentare und Verbesserungsvorschläge der angewandten Methodik lässt - "Kalt, kalt...warm...wärmer...heiss...uuuuund cut."
Danach wollte man mich erstaunlicherweise sehr schnell loswerden, wartete wiewohl, bis ich wieder ordentlich laufen konnte, um sich dann im Konfetti-Regen zu verabschieden.
So stand ich denn draussen, ein Köfferchen in der einen, gesundenHand, vom Schnee umweht...
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Teil 5-99 erscheint demnächst
Sonntag, 28. Juni 2009
Einarmiger Bandit (3)
Das kam von schräg gegenüber, aus dem Mund eines alten Mannes, der sich, so erfuhr ich später, Silvester im besoffenen Kopp derart geschickt hingepackt hatte, dass er's geschafft hat, sich dabei 17 (!) Knochenbrüche zuzuziehen. Das will erstmal vollbracht sein, Respekt! Meine Vermutungen gingen eher dahin, er sei aus einem fahrendem Wagen gesprungen, gefallen oder gestossen worden, er blieb jedoch bei seiner Version.
Dass es hier Menschen gab, liess mich stark annehmen, nicht in Hölle, Paradies oder ähnlichen Etablissements gelandet zu sein. Die Umgebung schien einem Krankenhaus nicht unähnlich; die Apparaturen neben meinem Bett verstärkten diesen Verdacht, ebenso der mächtige Verband um den rechten Unterarm.
Derart erleichtert, schlief ich erstmal noch zwei, vielleicht auch drei Stündchen, bis ein weissbekitteltes Etwas sich an meinem Arm zu schaffen machte, in einer Akte las, wieder am Arm rumtatschte. Jetzt machte er ein sehr ernstes Gesicht, stellte sich als Prof.Dr.Dr. Soundso in seiner Eigenschaft als Chefarzt vor und er wolle doch nun mal überprüfen, was der Notdienst nächtens so für Nähübungen vollbracht hätte. Dazu schnitt er den Verband, der, es sei hinzugefügt, bereits kurz unterhalb des Ellbogens begann, von oben her ein, worauf eine sehr hässliche frische Naht zum Vorschein kam.
"Naja, also 'n professioneller Kreuzstich sieht ja wohl anders aus!" begann ich probehalber zu mosern.
"Da sagen Se was" war zwar nicht so direkt die Antwort, die ich erwartet hatte, aber er, Prof.Dr.Dr.Weisskittel, meinte, es hätte ja auch noch schlimmer kommen können, nämlich wenn beispielsweise nur noch der Hausmeister anwesend gewesen wäre. Hatte er auch wieder Recht. Gut, wir kamen überein, dass nu eh nix mehr zu machen sei, er las vor, was da so alles kaputt, durchtrennt oder sonstwie beschädigt war und ausserdem wolle man mich auf der Intensivstation nicht haben, ich solle doch gefälligst umziehen.
Der Mann gefiel mir, was ich von der Schwester nicht behaupten konnte. Kein Humor, die Schnecke.
Ich sagte ihr nämlich, sie solle doch bitte die Kanüle, die meinen Körper mit einem Tropf verband, entfernen.
"Warum?"
"Das ist kein Jim Beam!"
Hätt ich bloss damals schon um die Genialität und den gerechtfertigten Erfolg dieses Slogans gewusst...
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to be continued
Donnerstag, 25. Juni 2009
Einarmiger Bandit (2)
-mittlerweile haben wir's 1.30h- im gestreiften Bademantel durchs elterliche Gemäuer und grunzt Worte des Missfallens ob der nächtlichen Ruhestörung. Ein kurzer Blick genügt ihm,um die Lage zu erfassen, sich auf einen Stuhl zu schmeissen und mit sich und der Welt, die er im Allgemeinen schon ziemlich böse, in diesem besonderen Fall geradezu gegen sich verschworen findet, zu hadern. Man sollte, dies könnte fast schon als Grundregel gelten, seine persönlichen Belange erstmal hinten anstellen, die Sensibilität einiger Personen will angemessen bedacht sein.
Letztendlich konnte ich aber nicht umhin, ihn darauf hinzuweisen, dass es eventuell angebracht wäre, einen Notarzt zu rufen, mir ginge es irgendwie doch nicht so gut. Das sei, pflichtete er immerhin bei, eine ziemlich gute Idee, setzte jene in die Tat um und sich anschliessend wieder auf den bereits erwähnten Stuhl, wo er wahrscheinlich heute noch sässe, hätte ich ihm nicht klar machen können, wie man in derartigen Fällen vorgeht. Und so fing er gemächlich an, das Glas aus der Füllung zu entfernen, danach mich aus der Tür, setzte mich auf den Sockel und verschwand, nicht ohne den Hinweis, ich solle nicht weglaufen, um etwas zum Abbinden zu organisieren.
Nun war mir jedoch nicht nach Sitzen, denn -wir erinnern uns vage- saukalt wars ja obendrein, und so stand ich auf, was kein wirklich guter Einfall war; geschwächt sank ich vornüber und klatschte mit dem rechten Handgelenk, in dem immer noch gefühlte 777 Scherben steckten, auf die Gehwegplatten, was zur Folge hatte, dass mir eine davon das Handgelenk bis zum Knochen durchtrennte, samt Sehnen, Muskel und Nerv, den der Mediziner Ulnaris nennt und dessen Hauptaufgabe darin besteht, Impulse an die Hand weiter zu leiten. Diese Tätigkeit stellte er prompt ein, was mich irrtümlich auf den Verlust meiner Hand schliessen liess, worauf ich es vorzog, in Ohnmacht zu fallen, aus der mich ein paar brüderliche saftige Backpfeifen zurück holten. Kurz nur, denn ich begann schon mal, den Film aufzuspulen, der einem für gewöhnlich kurz vorm Ableben vorgeführt wird -so langsam war kaum noch Blut in,jedoch reichlich davon
über, vor, hinter und neben mir-, lehnte mich gemütlich zurück und schaute gebannt auf die Leinwand, wo ein kleiner blondgelockter Junge freudig strahlend durch die Welt hüpfte,sehr zum Wohlgefallen seiner Mitmenschen, denen er mitunter, auch das stand im Drehbuch, ein wenig Sorgen bereitete.
Das Licht im Kino des Daseins ging langsam wieder an und jemand rief:"Eis!"
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to be continued
Dienstag, 23. Juni 2009
Einarmiger Bandit (1)
Zum besseren Verständnis dieses Gedankenganges sei die Geschichte vom Anfang her erzählt:
Am Anfang schuf ich die Welt. (Demian? Ja? Falsche Geschichte! Ok.)
Es ist die Nacht vom dritten auf den vierten Januar 1985, es ist kalt, um nicht zu sagen bitterkalt; der Frost hält alles in seinem eisigen Griff, was zwar für unsere Geschichte ansich unwichtig ist, aber mir hat mal jemand gesagt, ich solle mehr Atmosphäre in meinen Geschichten schaffen. Gut, also jetzt kann sich wohl jeder das Ambiente vorstellen, oder? Winter, Minusgrade
und mittendrin ein junger Mann, der, grad seinem Auto entstiegen, aufs Elternhaus zustrebt, wo er, weil er ja entgegen anderslautenden Gerüchten und Meinungen ein guter Sohn ist, zwecks Pflege und Fütterung der Pflanzen und Katze die urlaubsbedingte elterliche Abwesenheit abzumildern versucht. Forschen Schrittes sehen wir ihn dahineilen, weil's ja saukalt ist, wie wir mittlerweile wissen, den Schlüssel in der rechten Hand strebt er der Türe zu, die, ein wahres Meisterwerk holsteinischer Schreinerskunst, zum Grossteil aus Milchglas besteht. Davor ein Sockel, zwei Stufen, die unser Jüngling in einem Schwung nimmt, sich jedoch leicht verkalkuliert und von der Kante der oberen abrutschend, mit den Armen wedelnd um Halt bemüht, wie ein Torpedo durch besagte Haustür mit den Milchglaseinsätzen schiesst. Während der restliche Körper an den Holzverstrebungen scheitert, haben die Hände, hervorhebend sei hier die rechte
-mit Schlüssel darin klar bevorteilte- erwähnt,ihren Weg durchs Glas gefunden, weil es sich wohl gedacht hatte, dass, wer der Klügere sei, nachgäbe. Das Glas. Und so sieht er sich mit mehreren Problemen konfrontiert: zum einen füllt sich der Flur rasant mit Blut, zum anderen liegt der Schlüssel drinnen und damit unerreichbar, die Hände kriegt er auch nicht mehr raus...so drückt er, einer plötzlichen Eingebung folgend, mit der Nase die Klingel, eine durchaus artistische Leistung, für die er sich just in dem Moment sehnlichst Zuschauer wünscht.
Beten, du musst beten, kommt es ihm in den Sinn. Wie denn, Trottel, kriegst ja nicht mal die Hände zusammen. Also wieder Nase. Klingel. Noch hat er keine Panik; er konzentriert sein Handeln darauf, nicht in dieser bescheuerten Tür zu sterben, in dieser bescheuerten Haltung.
Die Schlagzeile: Verbluteter Trottel steifgefroren aufgefunden gönnt er der Lokalpresse nicht. Da plötzlich sieht er ein Licht...
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Fortsetzung folgt Donnerstag. Morgen ist Feiertag und ich bin unterwegs.
