Sonntag, 12. Juli 2009

Einarmiger Bandit (6)

..., die sich jedoch viel zu aufgeregt und ungeschickt beim Ausziehen anstellte. Kam vielleicht zu unerwartet für sie. Frauen in den Dreissigern wussten schon damals Chancen zu versemmeln.
Wenigstens konnte ich zwei Tafeln Schokolade abgreifen, die sie im Nachttisch zu Dutzenden hortete; so musste ich nicht hungrig ins Bett.
Hunger und Befriedigung desselben wurden fortan zum echten Problem, sah doch mein damaliges Einkommen kein ausreichendes Budget für ständige Restaurantbesuche vor und die Dame mit dem schlechten Gedächtnis war Stewardess und somit gewöhnt, Mahlzeiten zu reichen, die fertig zubereitet ihren Empfänger erreichten.
In ihrer unermesslichen Güte liess sie sich dennoch eines Tages dazu herab, mir ein Steak in die Pfanne zu haun, eine sehr nette Geste der Zuneigung, wie ich fand, wenngleich sie auf meine Bitte, mir selbiges doch bitte mundgerecht zurechtzuschneiden, eher ablehnend reagierte. Zur Begründung führte sie an, keine Krankenschwester oder Altenpflegerin zu sein. Nicht dass mich das besonders getroffen hätte - ich schnappte mir den Quelle-Katalog, orderte telefonisch eine Mikrowelle, vergewisserte mich des 24 Stunden-Express-Lieferservices und gab ihr 23 Stunden -kurzer Blick auf die Uhr- 57 Minuten und 16 Sekunden, um ihren Krempel zu packen und mitsamt selbigem zu verschwinden. Da ging sie hin, mitsamt jährlich 2 Freiflügen bei Kranich-Airlines; das war das Schlimmste!
Ersatz musste her, vorzugsweise ein weibliches Wesen mit Helfer-Syndrom. Und so sah man mich immer öfter in der grossen Stadt mit der grossen Uni-Klinik um selbige herum die Kneipen und Kaffeehäuser frequentieren, listig lauernd mit Leidensmiene vorm Eingang herumlungernd.
Und dann traf ich sie: Nicole! Eine Seele von Mensch, gleichermassen an Herd und Staubsauger versiert, wohlgeformt und Ärztin im Praktikum. Das ganz grosse Los. Sie war ein paar Jahre älter, aber das störte mich nicht, für 26 war sie noch recht knackig. Übrigens hab ich diese Sitte beibehalten; bis heute bevorzuge ich Frauen, die ein bisschen älter sind (als ich damals war).
Blöd nur, dass ich 170 Ocken für die Mikro rausgeschmissen hatte, denn so langsam wurd's finanziell eng, da mir mein Arbeitgeber zunächst zwar den Lohn fortzahlen musste, mir jedoch die recht üppigen Einnahmen, die ich regelmässig im Rahmen der Nachbarschaftshilfe durch Teppichverlegen, Malen, Tapezieren und ähnlich intellektuell anspruchsvolle Nebentätigkeiten erzielte, fehlten.

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Wanna know,what will happen in part 7? Stay tuned!

Kommentare:

Mem hat gesagt…

*zurückscroll und nochma Ende von Kapitel 5 les*vorscroll und Anfang von 6 lese*verwirrt guck*

Für blöde Mems please: die Nachbarin war Deine Freundin? Bzw. Deine Freundin Deine Nachbarin? Und die hast Du dann aus ihrer Wohnung geschmissen? oO

kralle hat gesagt…

Also ich scroll noch ein wenig weiter um erst recht verwirrt zu sein. Wie du hast die Leidenschaft der reiferen 28 jährigen bis heute bei behalten? Wie alt ist den nun "Trulla" wirklich? Ich dachte sie wiegt nicht nur 40 Kilo weniger als du, sondern könnte mit etwas Glück deine blonde Tochter sein welche du nicht hast? ;-)
Das mit den "Kranichflügen" tut mir jetzt aber echt leid. Das war sicher ein schwerer Schock für die Fluggesellschaft und ein Verlust für dich? ;-)

LG rolf

Blossom hat gesagt…

Holla, was das doch für weite Kreise ziehen kann... Auswirkungen auf die verschiedensten Lebensbereiche. Gut, dass du anpassungsfähig bist. :)

Ich bin immernoch der Ansicht, die hätten dich nicht so mir nichts dir nichts rauslassen dürfen... so anstrengend du scheinbar bist, wenn du Langeweile hast. :D Eine Rehabilitationsmaßnahme wäre das Mindeste gewesen. :)

Demian hat gesagt…

Mem: Nein!
Nein, die Nachbarin war nicht meine Freundin und meine Freundin nicht meine Nachbarin und die hab ich logischerweise auch nicht rausgeschmissen. Reicht das als Erklärung? Oder muss ich ein Kapitel über die Kopulierfreudigkeit alleinstehender Frauen ^
einstreuen?^^

Rolf, du solltest das mit dem Akohol lassen, das' nich gut fürs Denkvermögen. Das war 1985, ich war 21 Jahre alt, Trulla im Kindergartenalter und ausserdem nicht in Norddeutschland beheimatet, jedenfalls nicht dass ich wüsste. Die Freiflüge bzw der Verlust selbiger war wirklich ein schwerer Schlag, zumal mir ja für das angefangene Jahr 2 (!) zugestanden hätten. Das hab ich ihr nie verziehn.

Blossom: Man nennt mich auch Chamäleon ;)
Reha? Nix da? Bissken Krankengymnastik und fertich.
Und ausserdem bin ich nich anstrengend, überhaupt ma ga nich.=_=

Mika hat gesagt…

heidenei... kriegt man da nich ma n bißchen staatliche Essen-auf-Rädern-Unterstützung oder kommt dat erst ab 80? Zustände sind das hier... und Mikrowellen waren ganz schön teuer früher. oO

Demian hat gesagt…

Naja, sooo teuer nu oooch nich, warn ja noch gute alte DM-Zeiten. Und meine Ernährung lass ich mir schon was kosten ;)
Wie das mit Essen-auf-Rädern ist, weiss ich leider nicht (frag ma Rolf^^), für mich gabs gar nix.
Der finanzielle und berufliche Aspekt des Ganzen kommt jetzt so langsam, entweder im nächsten oder übernächsten Teil. Schaunwerma