Posts mit dem Label Memories werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Memories werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 26. Januar 2010

So 'ne fiese Möpp

Demian ist ja ständig bemüht, den Wünschen seiner Leser nachzukommen. So hat die mentale Reise in die Vergangenheit Früchte getragen und hiermit kann unbefriedigten Groupies des Demianschen Literaturbetriebs geholfen werden:

Demian ist's langweilig, es steht kein wie auch immer geartetes Training an, Hausaufgaben verweigert er prinzipiell deren Erledigung und in Vater's Aquarium lässt sich kein essbarer Fisch finden. Sein 14jähriges Leben steht unter keinem guten Stern; Mutter, die seinem Treiben strickend auf dem Sofa zuschaut, bringt da auch nicht wirklich Abwechslung.
Das Telefon klingelt, Tina M., Freundin Demian's und so ziemlich der heisseste Feger im Umkreis von gut 1500 km, wünscht ihn zu sprechen. Der Apparat befindet sich in strategisch relativ ungünstiger Position - im offenen Übergang von Ess- zum Wohnzimmer nämlich - und das behindert die Konversation nicht unerheblich.
Mutter lässt sich trotz einiger gekonnter Abschiebemanöver nicht zum Verlassen des Sofas bewegen.
Die Uhr zeigt 17:43.
Das Gespräch findet sein Ende.
Mutter:"Wer war's denn?"
"Ooooch, nur Tina."
"Und, was wollte sie?"
"Nichts."
"Hm."
Nach einer kleinen dramaturgisch wertvollen Pause richtet Demian das Wort gen Mutter:
"Sachma, kannst du eigentlich auch Babysachen stricken?"

Es ist 18:02.
Demian hat das Riechsalz gefunden.

Samstag, 9. Januar 2010

Prost

"Hier hammse nen Zehner, gehnse doch mal bitte in die Lebensmittelabteilung, holen mir ein Sixpack Weissbier, verstauen das Ganze in meinem Auto, dem silbernen 5er BMW auf Platz 25 und dann bringense mir das Restgeld, ja?"
Wortlos ergreift Demian den dargebotenen Geldschein nebst Autoschlüssel und macht sich klaglos auf den Weg.
Seit gut einer Woche hat er die Ehre und das Vergnügen, Azubi in diesem Etablissement zu sein. Sein Haar ist noch vollzählig, mittellang und er selbst ein kraftstrotzender Jüngling von gerade mal 18 Jahren. Wir schreiben das Jahr 1981. Während ein übergewichtiger Legastheniker mit öbstlichem Spitznamen sich anschickt, einen Staatsstreich durchzuführen, zieht Demian es vor, seine jugendliche Unbedarftheit Europa's damalig grössten Warenhauskonzern anzudienen, auf dass die ihn mit dem nötigen Rüstzeug für die ach so böse freie Wirtschaft versorgen. Hat bis dahin auch gut geklappt und das obwohl Demian schon am zweiten Tag irrtümlich vor dem Personaleingang von übereifrigen Polizisten verhaftet wird. Aber das ist eine völlig andere Geschichte.
Demian hat seinen Auftrag so gut wie möglich ausgeführt, Bier gekauft, verstaut, Wechselgeld und Autoschlüssel retourniert und sinnt derweil auf eine angemessene Reaktion.
3 Tage später, man steht locker schwatzend nebeneinander, schlägt er sich leicht vor die Stirn, die eigene, murmelt etwas von "fast vergessen, so 'ne Scheisse, keine Zeit", greift in die Hosentasche -auch die eigene-, nestelt seinen Autoschlüssel und 'nen Zehner heraus, instruiert seinen Chef, wo das zu kaufende Gebräu, aber bitte nicht so 'ne Elefantenpipi, ja? abzuliefern sei, nämlich im schwarzen Golf auf Platz 47, bittet um anschliesende Rückgabe des Restgeldes und der Schlüssel, um pfeifend in der Farbenabteilung zu verschwinden.
Etwas später vernimmt er seinen Namen. Eine kräftiger männlicher Bariton fordert ihn über die Hausanlage auf, sich doch bitte unverzüglich im Abteilungsbüro einzufinden und während Demian sich von der Rolltreppe in sphärische Höhen transportieren lässt, überlegt er, wer die Sauerei wohl wegmachen muss, wenn sein abgeschlagener Kopf in Kürze selbige runterrollen wird.
Ein kurzer Blick ins Büro lässt 4 Abteilungsleiter erkennen, von denen ein jeder sich am Gerstensafte labt, meinem wahrscheinlich, schiesst es Demian noch so durch den Kopf, bevor eine nicht unerhebliche Summe in kleinen Scheinen auf dem Tisch seines Chefs landet.
"Ähm, könnte mich vielleicht mal jemand aufklären, was hier läuft?"
"Ja, weisst du, Demian, die 3 Pfeifen hier haben gewettet, dass du keine Eier hast, also jetzt nicht so im biologisch-medizinischen Sinn...äh, du verstehst schon, oder?
Komm her, setz dich, nimm dir ein Bier und dann trinken wir erstmal Brüderschaft. Bin der Franz und jetzt lass dir doch mal was einfallen, wie wir den Geschäftsführer so richtig auf die Rolle nehmen können."
Und dann setzte er noch etwas hinzu, was Demian nie im Leben vergessen hat:
"Solche Männer braucht das Land!"
-------------------------------------------------------------------------------------

Und ich möchte hinzufügen: Solche wie Franz hats auch gebraucht und bräuchte es heute mehr denn je.
Dieser Mann hat mir den Feinschliff verpasst, obwohl ich ja des öfteren mit einem groben Klotz verwechselt werde. Obschon mit einem gesunden Selbstbewusstsein von Haus aus ausgestattet, konnte ich mir bei ihm 'ne Menge abschauen, wenn's darum geht, sich gerade zu machen, seine eigene Meinung zu vertreten und sich für seine Leute einzusetzen.
"Wenn du treten willst, dann tu's gefälligst nach oben hin!", war sein Leitspruch und den hab auch ich mir zu eigen gemacht.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Ich wollte nie erwachsen sein...

Die Schneeflocken, gross wie Fünfmarkstücke, fielen schier endlos aus den riesigen grauen Wolken und Jörg fragte sich, wieviel Schnee wohl in der Nacht gefallen sein mochte. Ein halber Meter? Vielleicht sogar ein ganzer? Die Autos jedenfalls waren nur noch als weisse, hügelige Skulpturen wahr zu nehmen. Er musste sich beeilen, denn sonst war Hans wieder schneller und hatte die Einfahrt schon vom Schnee geräumt.
Schnell noch den Schneeanzug übergestreift, Handschuhe an und 'ne Mütze übergestülpt - und dann nichts wie raus. Hans war ein alter Mann, 80 oder so, aber er ging noch jeden Tag in seine Fahrradwerkstatt mit dem kleinen Laden und werkelte vor sich hin. Wenn die Eltern mahnend den Zeigefinger hoben und sagten, das hiesse Herr Blöchinger und nicht Hans, dann zwinkerte er ihm zu und meinte: "A geh, passt scho." Jörg hatte Glück. Heute war der Hans zum Arzt in den Nachbarort gegangen, weil's ihn im Rücken zwickte. So nahm er sich die grosse Schaufel und befreite die ganze Einfahrt von den Schneemassen. Die Kälte machte ihm nichts aus, wusste er doch, dass ihn nach vollbrachter Arbeit eine leckere Tasse Kakao erwartete, von Hans' Tochter, der Pensionswirtin, zubereitet und dampfend heiss serviert. Nach der kleinen Stärkung gings hoch zu den Eltern, die man ruhig, auch wenn sie Urlaub hatten, schon um die Zeit wecken konnte.
Nach dem Frühstück mit frischen Semmeln von einem echten Bäcker, so einem, der noch den Teig anrührt und die Brötchen formt und nicht vorgefertigte, eingeschweisste aufbackt, gings zum Skifahren. Jörg liebte das Skifahren und das Drumherum. Oft stellte er sich zu einem Erwachsenen an den Lift und fachsimpelte ein bisschen übers Material oder das Wachs, was denn wohl bei dieser oder jener Schneebeschaffenheit zu verwenden sei.
Am späten Nachmittag, wenn die Dämmerung hereinbrach, gings zurück in die Pension. Die nassen Klamotten auf die Heizung, den durchgefrorenen Körper in die Badewanne.
Dann hiess es, sich fein zu machen, denn heute war ja Heiligabend und man wollte doch essen gehen. Nicht in die Dorfgaststätte, wie an den übrigen Tagen, sondern in die nahegelegene Stadt. 3 Kilometer durch meterhohen Schnee, weil er ja natürlich nicht auf der geräumten Strasse gehen wollte, so wie die Eltern das taten, wo sie jedoch ein gutes Ziel für Schneeballwürfe abgaben. Mutter grämte sich ob der guten Kleidung, die selbstverständlich völlig eingefroren war. Aber man liess die Kinder, Jörg und seine zwei Brüder, gewähren. In der Gaststätte dann musste man schon einen Platz nahe dem Ofen ergattern, so nass und durchgefroren, wie man war.
Gern hätte der Vater das Essen in Ruhe geniessen wollen, doch die Jungs waren viel zu aufgeregt und drängten zum baldigen Aufbruch, wussten sie doch, dass sie in der Pension die Geschenke erwarteten. Also schnellstmöglich wieder zurück, diesmal auf der Strasse -man wollte ja schliesslich keine wertvolle Zeit mit Klamottenwechsel verlieren- und dann stand man unterm hell erleuchteten Tannenbaum, sang schnell ein paar Weihnachtslieder, bis die Eltern endlich den Startschuss gaben. Und dann flogen sie nur so, die Geschenkpapier- und Schleifchenfetzen. Was mochte wohl in dem riesigen Paket drin sein, auf dem in Schönschrift, Mutter's Werk, "JÖRG" prangte?
Skier und Stöcke. Jawoll. Der Wunschzettel war angekommen. Und da, in dem kleinen? Skistiefel. Und das dreimal. Für jedes Kind eine Garnitur. Schnell angezogen und montiert...und dann wird die Einfahrt runtergerutscht, während sich die Eltern mehr oder weniger an Selbstgebasteltem oder-gemaltem erfreuen.
Danach sitzt man noch eine Weile zusammen, lauscht Weihnachtsliedern und spielt zusammen ein Spiel, bevor die Jungs die Müdigkeit überkommt und einer nach dem anderen ins Bett getragen werden muss. Jörg träumt in dieser Nacht davon, ein berühmter Skirennläufer zu werden und wenn er mal gross sein wird und eigene Kinder hat, dann will er ihnen solche Weihnachtsfeste bereiten.
-------------------------------------------------------------------

Und wenn mir jetzt wieder Emo-Gene unterstellt werden: Ja, und ich bin stolz drauf. Jedenfalls heute.
Seht die Geschichte als eine Hommage an meine Eltern, an meine doch alles in allem recht unbeschwerte Kindheit, aus der solche Tage herausragen.
Das ist etwas, für das ich unglaublich dankbar bin und wenn wir, Trulla und ich, uns in diesen Tagen überlegt haben, wie wir jemandem, der nicht dieses Glück hat, eine kleine Freude bereiten können, uns heute hingesetzt haben und gegenseitig gefragt haben, was unsere schönsten Kindheits- und Weihnachtserinnerungen sind, dann kommt sowas dabei raus.
Danke Mama, danke Papa.
--------------------------------------------------------------------

Ich glaub, ich mach Trulla gleich ein Kind ;)