Demian's unheile Welt

Samstag, 6. Februar 2010

Höllenglocken

Wer unter dieser Überschrift für mich völlig überraschenderweise etwas Anderes als das jetzt Folgende erwartet hat, der möge sich bitte per Email, Fax, Brieftaube oder Postreiter mit mir in Verbindung setzen, ich schicke ihm dann den entsprechenden Link.

---------------------------------------------------------------------------------------
Sie kommen von ganz unten drunter, in ihren Adern fliesst Gleich-, wie auch Wechselstrom, ihre Leadsänger erliegen gelegentlich schonmal dem gemeinen Drogentod und der Gitarrist erschliesst sich mit seinem Bühnenoutfit eine seit über 30 Jahren wachsende Fangemeinde im Kreise der mittelalten Mütter, die ihm gerne mal ein Pausenbrot schmieren möchten.
Wer jetzt immer noch nicht weiss, von wem die Rede ist, der möge sich bitte schnellstens auf die Schnellstrasse zur Hölle begeben, bevor ich ihn mit einer Ladung hochexplosiven Sprengstoffs von seinem ignoranten Leben erlöse.
Das Konzert als solches wäre kein Grund gewesen, die Herrschaften hier zu erwähnen, spielte sich das Ganze doch eher im Bereich der Routine ab, jedoch waren ein paar meiner Männer zur Bewachung der Notausgangstüren abgestellt, wo es sich der ein oder andere Fan gerne mal gemütlich macht. Dann zeigt man ihm, böse mit dem Zeigefinger wedelnd, dass derartiges Verhalten nicht geduldet wird und er seinen Kadaver gefälligst woanders zur Ruhe betten soll.
Peter ist ein Spezialist in diesen Angelegenheiten. Mit viel psychologischem Feingefühl und fast unverständlichem österreichischen Akzent ausgestattet, nähert er sich dem Opfer, macht ihm auf charmanteste Art und Weise klar, dass es sich kurz vorm Aushauchen seines relativ blühenden Lebens befindet und sich unverzüglich schleichen soll.
Ich meine, ich muss es wissen, habe ich ihn doch selbst, also quasi eigenäuglich, dabei beobachten können, um ihm danach unentgeltlich Tipps für ein gesundes Altwerden auf seinen Lebensweg mit zu geben.
Eine dieser Survival-Regeln lautet: Lass die Finger von Menschen, die zwei Köpfe grösser, doppelt so breit oder einfach nur in Lederjacken mit Jeans-Kutte gehüllt sind, die sie als Mitglied einer Rocker-Gang ausweisen.
Peter ist nicht sehr gelehrig.
Nachdem das Set abgebaut, einige Flaschen JD geleert und die Halle von Überbleibseln des Geschehens - in der Regel hysterische Weibsen, die nicht schnallen, dass sich die Stars schon lange im Bett oder Flugzeug befinden- befreit ist, machen wir uns auf den Heimweg, was uns nach knapp 20 Stunden Knochenjob zugestanden sein soll, da stellen sich ungefähr 150 Mann in selbigen, den Weg nämlich.
Wir sind 40. Ausgepumpt. Zu nichts mehr fähig.
Als Deeskalationsprofi erkenne ich natürlich sofort den Ernst der Lage, geselle mich zum Präsi des Vereins, mache ein paar nette Bemerkungen über sein Gefährt, eine Harley Fat Boy ("Schönes Mopped, is' ne Kreidler Florett, oder") und ziehe ihm beim ersten Anzeichen agressiven Verhaltens -und als solches werte ich mal sein Augenzucken- mit meinem Siegelring eine blitzsaubere Hasenscharte, nehm ihn in den Schwitzkasten und fordere seine Jungs auf, wenn sie sich nicht schon wieder mit dem lästigen Wahlvorgang zum Präsidenten konfrontiert sehen wollen, die Biege zu machen, was der Mann in meinen Armen durch heftiges Röcheln zu befürworten scheint.
Und so geschah es denn auch.
Gott oder wer auch immer den Part des Gegenspielers des Teufels inne haben mag sei Dank, hörte ich sie doch innerlich schon, die Glocken der Hölle, die den Eintritt Demian's in selbige musikalisch begleiten.
Von Präsi und Peter habe ich mich gleich im Anschluss getrennt, vom Ersteren, weil er so lernfähig war, vom Zweiten, weil er's eher nicht war.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Barbamama

Manchmal bin ich recht froh, ordentlich mit Arbeit eingedeckt zu sein. Das gibt mir die Möglichkeit, nach Belieben die Wohnung zu verlassen. In der hält sich nämlich momentan, neben den üblichen Verdächtigen, Trulla's Mutter auf. Ist 'ne Nette, drei Jahre älter als ich, psychisch etwas instabil und körperlich unattraktiv bis abstossend. Trulla's Vater muss ein sehr schöner Mann sein. Oder sie ist adoptiert.
Bleibt noch zu erwähnen, dass sie, also die Mutter jetzt wieder, Deutsch spricht. Nicht so gut wie Howard Carpendale, aber immerhin besser als Giovanni Trappatoni, falls euch das was sagt.
Ich komme also morgens um 7:00 heim, was soweit nicht ungewöhnlich ist, und finde Barbamama auf dem Sofa vor, der Fernseher läuft.
Ich: "Moin, sachma, kannst du mal hoch zu den Nachbarn im dritten Stock gehn und
dort klingeln?"
Sie: "Ja gerne, wieso?"
Ich: "Ach nichts, wollte nur mal 'nen Drachen steigen lassen."
Sie: "Blödmann."
Ich: "Kucksten da?"
Sie: "Früstücksfernsehn, voll interessant. Kuck ma, Isabel Pantoja hat sich von-"
Ich: "*demonstrativ gähn*Schönes Wetter heut. Willste auch 'n Jack Daniels?"
Sie: "Um diese Zeit?"
Ich: "Wassen falsch ander Zeit? Nu tu ma nich so, als würdest du das zuhause
nich machen."
Sie: "Na okay, einer kann ja nicht schaden."
Ich: "Wusst ich's doch. Das sag ich jetzt Trulla. Gute Nacht."
Sie: *um Fassung ring*

Dann schalte ich den Fernseher aus und gehe ins Bett. Auf halbem Weg schaltet sie das Gerät wieder ein, also kehre ich um, nehme die Batterien aus der Fernbedienung und werfe sie in die Biomülltonne, sie kramt in ihrer Handtasche, befördert neue Batterien ans Tageslicht, montiert die und schaltet die Glotze wieder ein, ich ziehe den Netzstecker, sie steckt ihn wieder in die Steckdose, ich greife zur Gartenschere und kappe den Stecker, sie bricht in Tränen aus.
Ich zeige ihr den Flyer unseres Hotels, natürlich nicht ohne den Hinweis, dass wir auch schöne Einzelapartments haben.

Dann gehe ich tatsächlich ins Schlafzimmer, lasse mir dort den von Trulla verwetteten Hunderter - O-Ton: Meine Mutter schaffst du nicht- auszahlen und schlafe glückselig ein.
Wenn bloss jeder Tag so anfinge...

Sonntag, 31. Januar 2010

Ich kann so nicht arbeiten

Die globale Erderwärmung ist 'ne ziemlich blöde Sau, macht sie doch um Barcelona 'nen grossen Bogen, was meinem Wohnzimmer das Aussehen eines Rote-Kreuz-Sammellagers für Lawinenopfer verleiht; überall liegen -dem Unwissenden sei hiermit mitgeteilt, dass der gemeine Iberier, sollte das Thermometer mal weniger als 25 Grad Celsius anzeigen, lange Unterhosen und Handschuhe, Mütze sowie Schal überstreift- in Decken gehüllte Frauen herum, die zudem nichts Besseres zu tun haben, als mir auf den Keks zu gehen.
Zum einen hätten wir da Trulla, die sich unter Vortäuschung von Schwangerschaftsbeschwerden 'nen Lenz macht, zum anderen Luisa, die, so scheint's, sich solidarisch erklärt hat. Mit Trulla. Natürlich.
Wer hat auch schon Mitleid mit einem armen, werdenden Vater, der dringendst ein Regal fertig stellen müsste, worin die zukünftig zu erwartenden Literatur-Preise verstaut werden sollen. Demian hat nämlich, wen wundert's?, schon mal angefangen, Kindergeschichten zu schreiben, die allabendlich zum Vortrag kommen sollen, wobei er Trulla's ziemlich barsch vorgetragene Anweisung, selbige sollten keinen Sex, keine Gewalt und schon gar keinen Sarkasmus enthalten, natürlich ignoriert hat. Wär ja noch schöner - da schläft der Kleine ja bei ein, tss.
Vorgestern hab ich ein Baby-Fon gekauft.
Um mich von der ordnungsgemässen Funktionstüchtigkeit zu überzeugen, wurde das Ding unter Luisa's Bett deponiert, wo es, leise vor sich hinrauschend, erschütternde Belege des studentischen Sexuallebens lieferte.
Mein Gott, hätt ich gewusst, dass es so arg um sie steht, hätt ich ihr mal 'nen Callboy spendiert. Zumal sie sehr nett von mir spricht.
Trulla hegt die Vermutung, dass sie das Teil entdeckt hat.
Wer weiss?
Apropos - wer weiss, wie gross der Friedenspreis des deutschen Buchhandels ist?

Donnerstag, 28. Januar 2010

Ein kleiner Schreihals

Wer hier etwas über Kinder oder gar Babies erwartet hat, den muss ich leider enttäuschen. Obwohl mir der leseranziehenden Wirkung durchaus bewusst, verzichte ich darauf, wurde mir in letzter Zeit doch von mir nahe stehenden Personen zugetragen, ich fokussiere meine Gedankengänge all zu sehr in diese Richtung.

Es mag gut 3 Wochen her sein, da fand sich Eddy bei mir ein. (Ihr erinnert euch doch alle an Eddy?)
"Eins gleich mal vorneweg, Demian, nix über Babies, Schwangere, Söhne und dergleichen, okay?"
"Iiiich?...doch nicht. Niemals nie nicht."
So'n Blödmann, nur weil er nichts zu poppen hat, dachte ich noch so bei mir, da sah ich ihn vorm Kühlschrank stehen. Im Profil. Ich meine, früher ist mir sowas ja nie so aufgefallen, aber er sah...nun...irgendwie schwanger aus. Als guter Freund sah ich mich geradezu verpflichtet, ihn auf diesen körperlichen Makel hinzuweisen, worauf sich ein sehr ernsthafter Dialog über Fettverbrennung und Muskelaufbau entwickelte, der mit der doch sehr einsichtigen Konklusion endete, die da lautete, sich ab sofort sportlich betätigen zu wollen.
Fand ich gut, als Sofortmassnahme schickte ich ihn erstmal zum Supermarkt, Bier holen.
Naja, so eine einschneidende Veränderung im Leben will ja schliesslich gebührend begossen werden.
Ab dem nächsten Tag trafen wir uns regelmässig in der Muckibude und während ich mein Programm durchzog, beobachtete er mittelalterliche Frauen auf Laufbändern, die sich, meiner unbescheidenen Meinung nach, glücklich schätzen können, keine Augen zu haben. Am vierten Tag erschien Eddy nicht mehr. Ein besorgter Anruf ergab, dass er der Anstrengung müde sei und sich ausserdem nicht der Gefahr aussetzen wollte, von derartigen Geschöpfen ausgelacht zu werden. Er hätte jetzt, was viel besser sei, die Lösung seines kleinen Figurproblems gefunden: So ein Gürtel, der elektrische Impulse aussendet. Hätte er ihm Fernsehn entdeckt, nachts, in den Werbepausen. Es folgte noch eine ziemlich ausführliche und sehr bildhafte Schilderung der Mädels, die zwischen den Pausen agierten, aber damit will ich euch hier nicht langweilen.

Meine gestrige Nachfrage ergab, dass er, also Eddy, trotz mehrstündiger täglicher Anwendung, keinerlei Veränderung seines körperlichen Status' feststellen könne und das Ding daher in die nächste Ecke gepfeffert hätte, wo es auf die Rücksendung warte.
"Eddy?"
"Ja?"
"Du hast doch Physik in der Schule gehabt, oder?"
"Ja, schon."
"Okay, dann erklär mir doch bitte mal, wie das funktionieren soll: 230 Volt gegen die Rückstände mehrerer Tausend Hektoliter Bier, Wein und andersartiger Alkoholika?"

Wenn er so schreit, kann ich ihn immer ganz schlecht verstehen - er gleitet dann sehr schnell ins Vulgäre ab, welches ja so gar nicht meins ist.

Mittwoch, 27. Januar 2010

22nd Century Man

Morgens halb elf in Spanien:
Nach einer weitestgehend durchgearbeiteten Nacht vernimmt Demian den sanften Klang der Türklingel, wobei -ich korrigiere mich- der Klang nur soweit das Prädikat "sanft" verdient, wird sie einmal bedient.
Jemand läutet Sturm.
Wer mag's wohl sein?
Der Flyer-Verteiler vom Pizza-Service vielleicht. Wohl eher nicht; nachdem ihn Demian die letztmalig mitgebrachten 500 Prospekte vor seinen Augen verspeisen liess, meidet er Demian's Wohnhaus.
Siehe da, der Postbote ist's, er will ein Einschreiben überbringen. Postboten darf man nicht verhaun, die sind in der Gewerkschaft, also schnell -was sind schon 7 Minuten im Anblick der Unendlichkeit?- den Ausweis gesucht, damit der fleissige Gelbling auch sicher sein kann, dem richtigen Empfänger das gar so wichtige Schriftstück überreicht zu haben. Unterschrift gesetzt. Argwöhnisch den Absender beäugt. Schliesslich aufgerissen, gelesen:
"...müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass Ihr Konzept, die nächste Rettungsaktion für gestrandete Finnwale am Strand von Friedrichskoog vom Navigationsgerätehersteller T*M-T*M sponsorn zu lassen, leider nicht auf Gegenliebe gestossen ist.
Wir wünschen Ihnen für Ihren..."

Die Welt ist noch nicht reif für Demian's innovative Ideen.
Darauf 'nen Kaffee.
Vielleicht sollte man Brasilien anzünden, dann würd's auf der ganzen Welt nach frischem, gerösteten Kaffee riechen...sponsored by Airw*ck.
Oder so.

Dienstag, 26. Januar 2010

So 'ne fiese Möpp

Demian ist ja ständig bemüht, den Wünschen seiner Leser nachzukommen. So hat die mentale Reise in die Vergangenheit Früchte getragen und hiermit kann unbefriedigten Groupies des Demianschen Literaturbetriebs geholfen werden:

Demian ist's langweilig, es steht kein wie auch immer geartetes Training an, Hausaufgaben verweigert er prinzipiell deren Erledigung und in Vater's Aquarium lässt sich kein essbarer Fisch finden. Sein 14jähriges Leben steht unter keinem guten Stern; Mutter, die seinem Treiben strickend auf dem Sofa zuschaut, bringt da auch nicht wirklich Abwechslung.
Das Telefon klingelt, Tina M., Freundin Demian's und so ziemlich der heisseste Feger im Umkreis von gut 1500 km, wünscht ihn zu sprechen. Der Apparat befindet sich in strategisch relativ ungünstiger Position - im offenen Übergang von Ess- zum Wohnzimmer nämlich - und das behindert die Konversation nicht unerheblich.
Mutter lässt sich trotz einiger gekonnter Abschiebemanöver nicht zum Verlassen des Sofas bewegen.
Die Uhr zeigt 17:43.
Das Gespräch findet sein Ende.
Mutter:"Wer war's denn?"
"Ooooch, nur Tina."
"Und, was wollte sie?"
"Nichts."
"Hm."
Nach einer kleinen dramaturgisch wertvollen Pause richtet Demian das Wort gen Mutter:
"Sachma, kannst du eigentlich auch Babysachen stricken?"

Es ist 18:02.
Demian hat das Riechsalz gefunden.

Montag, 25. Januar 2010

Kein Kinderkram mehr

Es ist ein Kreuz - kaum machste einer ein Kind, schon laufen die anderen Weiber weg.
Hier ist der Beweis: Richtet der geneigte Leser sein Auge mal leicht nach rechts, wird er feststellen, dass sich Cara von mir verabschiedet hat.
Das ist ärgerlich und hat mich zum Nachdenken gebracht. Das Ergebnis meiner umfangreichen Überlegungen: Ab sofort nix mehr über Babies.
Stattdessen möchte ich ein wenig über Sprachen reflektieren.
Ich spreche viereinhalb davon mehr als Trulla; das bedeutet enormen Spielraum bei der mehrsprachigen Kindeserziehung (<= Aaaaargh, da isses schon wieder).
Vor allem können wir Männerkram besprechen, ohne dass Trulla blöd dazwischen sabbelt und eventuellen weibischen Einfluss in essentiellen Fragen des Lebens nehmen kann.
Und eins mal gleich vorneweg, mein Kleiner: Katalan ist keine Sprache!
Sollte dich deine Mutter mit etwas volldröhnen, das sich wie ein besoffener Finne beim Versuch, Spanisch zu sprechen, jedoch hin und wieder ins Französïsche, Italienische und/oder Portugiesische abgleitend, anhört - einfach ignorieren. Sie ist das gewohnt, mach dir da mal keinen Kopf.
Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass wir überlegen, uns einen Buchladen zuzulegen?
Ich lass mir dann einfach 'nen Bart wachsen, steig um auf Pfeife rauchen, tausche Jeans gegen Cordhose und lern, geschwollen zu reden.
Das wird toll.
Freu mich schon.
Und hier nie wieder was über Kinder.
Ab morgen.
Uff, der Blick in die Zukunft lässt ein düsteres Bild erahnen:
Was mach ich, wenn er eine sie wird und statt Trulla's Aussehen und meinem Hirn...naja...also was ich sagen wollte...äh, vergesst es. Nicht auszudenken. Dann hab ich das Gör mindestens 45 Jahre am Hals.