...geht, sofern man sich in einem unserer Hotels als Subdirektor bewirbt, über meinen Schreibtisch. Aus den ca. 4000 Emails habe ich mir sorgfältig 2 Kandidaten ausgewählt, denen es vergönnt sein sollte, ein unvergessliches Job-Interview zu führen.
Zu derartigen Anlässen kleide ich mich gerne sportlich leger - Bermuda-Shorts und Sandalen find ich angemessen, stelle die Klimaanlage ab und schaue genüsslich zu, wie die Aspiranten in ihren billigen Synthetik-C&A-Anzügen zu Transpiranten mutieren, noch bevor's richtig losgeht.
Die üblichen Fragen nach Schule, Ausbildung, Studium und Anstellungen, die eh kein Schwein interessieren, rassel ich runter, bevor mir noch zu ausschweifende Antworten zuteil werden. Man kommt auf den Punkt.
"Hier schreibst du, du seist ein guter Leichtathlet...Läufer?"
"Ja"
"Das ist gut, Kurz- oder Langstrecke?"
"Lang"
"Mmm, das' schlecht. Wie willst du im Notfall vor mir flüchten?"
"Ich versteh nicht ganz..."
"Macht nix, wie steht's mit Fussball? WM geschaut?"
Seine Augen bekommen jenen merkwürdigen Glanz, den ich sonst nur von Frauen kenne, die sich schwitzend, aber entspannt eine Zigarette anzünden.
"Ordentlich gefeiert?"
"Das war einfach genial, historisch, überwältigend, wir waren einfach unschlagbar, viva la Roja."
"Ja, junger Freund, dem kann ich nur zustimmen. Wir sollten jetzt nochmal ein wenig gemeinsam feiern...ups, Moment, uns fehlt nur ein wenig Konfetti..."
Daraufhin schreddere ich seinen Lebenslauf.
Jetzt hab ich 'nen englischen Subdirektor...leider hat ihm irgendwer verraten, dass ich Deutscher bin und meine Frage nach dem Tor, das nicht gegeben wurde, verpuffte irgendwie.
Man kann nicht immer nur Spass haben im Leben...
Wege zum Glück: Persönliche Einsichten und Gedanken
vor 4 Wochen

